Aktuelle Lehrveranstaltungen WiSe 2017/18

Das aktuelle Programm der Kolloquien finden Sie unter folgenden Links:
Kolloquium Slavische Literaturwissenschaft

Kolloqouium Osteuropäische Geschichte

Veranstaltungen Slavistik im Sommersemester  2018

Prof. Dr. Jurij Murašov

Visualität im Russischen Realismus: Literatur, Malerei, Fotographie

Dienstag: 10.00 – 11.30 Uhr                                                H 303                                    Vorlesung

BA Slavistik HF, NF; LA Russisch; BA of Education; MA OGM; MA LKM; MA KGE

Dass Beobachtungen von Realien, von sozialen Gegebenheiten ebenso wie von physikalischen und physiologischen Sachverhalten, in eigentümlicher Weise erst in der Abkehr vom Sichtbaren, im Raum der Sprache, Sinn und Bedeutung hervorbringen, gehört zu den verstörenden epistemologischen Erfahrungen (nicht nur) des russischen Realismus des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig handelt es sich hier um epistemologische Erfahrungen, die weit vorausweisen auf die kunst- und erkenntnistheoretischen Debatten der Moderne des 20. Jh.’s.
Wie unterschiedliche Kunstmedien mit dieser paradoxen Bodenlosigkeit des realistischen Beobachtens verfahren, verfolgt die Vorlesung anhand ausgewählter literarischer Texte von Nikolaj Gogol’, Fedor Dostoevskij, Ivan Gončarov, Lev Tolstoj u. a., der russischen realistischen Malerei der sog. Wandermaler (peredvižniki) sowie der Fotographie, die ab den 1860er Jahren auch in Russland eine rasante Entwicklung nimmt und die dann ihrerseits von der Literatur auf die ihr eigenen Spiritualitätseffekte hin befragt wird.

Prof. Dr. Jurij Murašov

Vladimir Nabokovs Berliner Kurzprosa

Mittwoch: 10 – 11.30 Uhr                                       H 303                         Proseminar

BA Slavistik, LA Russisch, BA of Education, MA OGM, BA LKM,  MA KGE

Die Wertschätzung von Nabokovs früher Prosa bleibt meist darauf beschränkt, diese in ihrem formalen Raffinement zwar zu würdigen, sie aber lediglich als vorbereitende Fingerübungen für das spätere Werk anzusehen.
Dass Nabokov in seiner Berliner Kurzprosa keineswegs „unverbindliche Sujets abhandelt“ (Jean-Paul Sartre), sondern sich im Gegenteil ausgesprochen präzise mit dem literarischen Schreiben unter den Bedingungen der Migration in einem vom Weltkrieg und der russischen Revolution erschütterten Europa auseinandersetzt, möchte das Seminar mit eingehenden Lektüren von Texten wie Картофельный Эльф (Der Kartoffelelf, 1924), Гроза (Das Gewitter, 1924), Бахман (Bachmann, 1924), Письмо в Россию (Ein Brief, der Russland nie erreichte, 1924), Путеводитель по Берлину (Berlin, ein Stadtführer, 1925) und schließlich Машенька (Mašenka, 1926) aufzeigen.

Slavistisches Forschungskolloquium

Dienstag: 15.15 – 16.45 Uhr                                                D 433 

MA Slavistik, LA Russisch, Masterschule Literaturwissenschaft/Slavistik, MA OEU-Studien/MA OGM,

Dr. Renata v. Maydell

Kinderliteratur in kultureller Translation

Mittwoch:  8.15 – 9.45 Uhr                                     H 303                         Proseminar

BA / MA Slavistik, MA OGM, MA KGE, MA-Schule Literaturwissenschaft Slavistik, LA Russisch, BA of Education Russisch, BA/MA LKM

Was passiert, wenn ein Kinderbuch in eine andere Sprache (oder ein anderes Medium) übersetzt wird? Sujets und Figuren der Kinderliteratur werden innerhalb nationaler Kulturen als Konstanten wahrgenommen, entsprechend bedeutungsvoll ist die Frage, wie und was übertragen wird. In dem Seminar soll dieser Frage anhand einiger Kinderbuchklassiker nachgegangen werden.
Carlo Collodis Pinocchio erlebte in der Walt-Disney-Verfilmung von 1940 eine ganz andere Gestalt als Buratino, so der Name der Figur in der Übertragung von Aleksej Tolstoj, der damit nicht nur ein beliebtes russischen Kinderbuch schuf (das wiederum verfilmt und in andere Sprachen übersetzt wurde), sondern auch eine Parodie auf Texte des Lebens und der Werke konkreter Vertreter des russischen Symbolismus.
Nach einer Einführung in die Grundlagen der Translationswissenschaften, die für die Fragen dieses Seminars relevant sind, sollen weitere Schicksale von Klassikern der Kinderliteratur erörtert werden.
Erste Ergebnisse des Seminars können im Rahmen des Slavistischen Standes bei der Langen Nacht der Wissenschaft am 23. Juni 2018 vorgestellt werden.

Anmeldung mit Angabe der Sprachen, in denen Lesekenntnisse vorhanden sind, bis 11.4.2018 unter renata.maydell@uni-konstanz.de

Dr. Renata v. Maydell

Michail Lermontov: Sprache und Gold

Dienstag: 17.00 – 18.30 Uhr                                    H 303              Haupt-/Oberseminar 

BA Slavistik, MA OGM, LA Russisch, BA Education Russisch

Im Proseminar soll ein Überblick über das Werk von Michail Lermontov erarbeitet werden. Es werden ausgewählte Gedichte analysiert und der Roman „Geroj našego vremeni“ (Ein Held unserer Zeit) besprochen. Dafür werden die Grundlagen der Gedichtanalyse und Erzähltheorie wiederholt und  auf die Texte angewendet. Außerdem sollen Fragen erörtert werden wie: Entwicklung der Literatursprache zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Selbstinszenierungen des Dichters, romantische und realistische Heldenentwürfe, geschlechtsspezifische Zuschreibungen, imperiale Diskurse, die Rolle des Südens/des Kaukasus, visuelle Landschaftswahrnehmungen. Zu Semesterbeginn soll der Roman „Geroj našego vremeni“ gelesen sein, im Original oder einer Übersetzung.

Russischkenntnisse sind erwünscht, aber keine Voraussetzung.

Dr. Renata v. Maydell

„Betrunkene“ – Literaturwissenschaft und Theater im Austausch

Blockseminar
Termine: 05.04.2018 15 Uhr in E 405,
9.4., 10.4., 14.4., 17.4., 21.4, 24.4., 5.5., 8.5., 12.5., 15.5., 18.5., 22.5.

Uhrzeit: Dienstags 20.15-21.45 Uhr

Im Rahmen des Internationalen Bodenseefestivals mit dem Schwerpunkt Russland findet am 18. Mai die Premiere von Ivan Vyrypaevs „Betrunkene“ am Theater Konstanz statt. Ganz im Sinne des Festivalmottos – „Vorwärts zu neuen Ufern“ –  soll die Veranstaltung Studierenden der Literaturwissenschaft die Möglichkeit geben, eine Inszenierung am Theater Konstanz zu begleiten.
Am Anfang steht die Beschäftigung mit dem Text des Theaterstückes, seinen intertextuellen Bezügen, sprachlichen Besonderheiten, karnevalesken Praktiken und Verortungen in  postmodernen Theaterkonzeptionen. Es werden die Übersetzerentscheidungen im deutschen Text erörtert und es werden russischsprachige Materialien ausfindig gemacht und übersetzt, die für das Verständnis des Theaterstücks hilfreich sind. Am Theater wird es die Möglichkeit geben, Proben zu besuchen und Interviews zu führen. An der Universität werden Treffen in der Form von Seminar und offener Schreibwerkstatt stattfinden.
Dabei werden unterschiedliche Texte verfasst: wissenschaftliche, publizistische und Übersetzungen. Evtl. gibt es die Möglichkeit, Texte im Rahmen der Inszenierung (Programmheft oder Zeitung) zu publizieren.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts „Transfer Lehre“ statt.

Voraussetzung: Russischkenntnisse, eine gewisse zeitliche Flexibilität zwischen dem 9.4. (Probenbeginn) und dem 18.5. (Premiere)

Dr. Davor Beganović

Der Untergang des Rock & Rolls                                                                 

Montag 15.15 – 16.45 Uhr                                       E 405                          Lektürekurs

BA/MA Slavistik, MA OGM, Masterschule Lit./Slavistik,

Während die siebziger Jahre eher als unproduktiv und weniger innovativ in die Geschichte des Jugo-Rocks eingegangen sind, gilt für die Achtziger gerade das Umgekehrte: Sie zählen zu den kreativsten Perioden der jugoslawischen Rockmusik. Doch diese fruchtbare Phase findet eine seltsame Analogie im Zerfall des Landes. Die erfolglose Suche nach neuen politischen Lösungen für das funktionsunfähig gewordene System wird in einer alternativen Musikszene, die die harmonische Einheit Jugoslawiens widerspiegelt, parallelisiert. Natürlich war die Kraft des Rocks zu schwach, um etwas zum Untergang Verurteiltes zusammenzuhalten. Im Kurs werden wir diese Jahre in ihren unterschiedlichsten Aspekten untersuchen. Wir werden Musik verschiedener Rockbands hören, Filme schauen und Romane und Erzählungen lesen, die diese Periode thematisieren. Letztendlich werden wir ein Fazit ziehen und versuchen, die komplexen integrativen und desintegrativen Strömungen im Jugoslawien der achtziger Jahre zumindest in Ansätzen zu erklären.

Dr. Innokentij Urupin

Russischer Formalismus: ästhetische und ökonomische Perspektiven

Donnerstag 15.15 – 16.45                                        H 303                         Seminar

BA / MA Slavistik, MA OGM, MA KGE, LA Russisch, BA of Education

Im Seminar werden Texte der russischen Formalisten besprochen, die in den 1910er und 1920er Jahren das Wissen um Literatur grundlegend erneuerten und die bis heute – auch außerhalb der Slavistik – für Literatur- und Kulturforscher eine Inspirationsquelle bleiben. Neben dem Hauptzweck, sich einen Einblick in die Schriften der Formalisten zu verschaffen, setzt das  Seminar seinen spezifischen Fokus auf die ökonomischen Hintergründe des Denkens der Formalisten. Wir lesen poetologische Texte von Šklovskij, Ejchenbaum, Tynjanov, Jakobson und sehen uns genau an, wie sich darin das Ökonomische im Zugang zur ästhetischen Sprache entfaltet. Diese Logiken des Ökonomischen sollen im Seminar dadurch lesbarer gemacht werden, dass wir gleichzeitig ausgewählte wirtschaftstheoretische Fragmente besprechen, die ebenfalls im ersten Drittel des 20. Jh. entstanden sind, darunter Texte von P. Struve und N. Kondrat'ev, aber auch Lenin und Bucharin. Es wird zu diskutieren sein, warum sowohl direkte ökonomiebezogene Aussagen (zu Markt, Finanzen, Reichtum etc.) als auch Argumentationen zur künstlerischen Literatur immer wieder das Ökonomische unter Verdacht stellen. Unter diesem Aspekt erhalten die formalistischen Literaturreflexionen, die im Seminar behandelt werden, eine überraschende Affinität zu den Debatten über eine ethische und poetische Dimension des Ökonomischen, die sich im Zusammenhang mit den Wirtschaftskrisen der späten 2000er entzündeten.

Dr. Klavdia Smola

Gegenkulturen in Osteuropa: Ästhetik des Dissens‘

Freitag 10 – 11.30                                                     E 405                                     Seminar

BA / MA Slavistik, LA Russisch, BA of Education Ru, MA OGM, BA/MA LKM, MA KGE

In den 2000 - 2010er Jahren, der Zeit einer extremen ideologischen Polarisierung, des neuen Autoritarismus und der militärischen Auseinandersetzungen in Osteuropa, haben sich Literatur und Kunst in dieser Region zunehmend politisiert. Es sind alternative, u.a. linke Kulturbewegungen entstanden, die künstlerische Aktivitäten mit dem politischen Engagement verbinden und sich direkt oder indirekt gegenüber dem Regime und/oder dem konformen politischen Mainstream positionieren.
Die Gegenkulturen in Russland, Polen und der Ukraine manifestieren sich heute in multimedialen Präsentationen, die Praktiken der physischen Intervention in öffentliche und private Räume mit den digitalen ästhetischen Verfahren verbinden. Auffällig ist dabei die unentwegte Arbeit der Kulturschaffenden auf der Metaebene der Performanz – sie initiieren kulturhistorische Analysen, gründen theoretische Plattformen und beziehen programmatische Positionen. Ein markantes Ergebnis dieser Multimedialität und Autoreflexivität sind kreative Kollektive, in denen Künstler, Kulturtheoretiker, Philosophen und Historiker zusammenkommen.
Im Seminar diskutieren wir unter anderem diese Kulturprojekte: „Was tun?“ (Čto delat’) in Russland, „Politische Kritik“ (Krytyka Polityczna) in Polen und die Installationen von Serhij Zacharov in der Ukraine.

Fabian Erlenmaier

Tutorium   

Mo 17.00 – 18.30 Uhr 

Das Tutorium der Slavistik begleitet die Einführung in die allgemeine Literaturwissenschaft und versteht sich in erster Linie als Lerngruppe zur Vorlesung. Gemeinsam mit dem Tutor werden die Studierenden die Inhalte der Vorlesung aufarbeiten, um über den Gegenstand der Literaturwissenschaft reflektieren zu können und fundierte Kenntnisse in literaturwissenschaftlichen Arbeitstechniken zu entwickeln.
Ferner beleuchtet das Tutorium Besonderheiten der russischen Philologie und bietet Einblicke in spannende kulturelle Entwicklungen: von der Avantgarde über den literarischen Untergrund bis hin zum „neuen Drama“.

Bemerkung:

Der Besuch des Tutoriums ist für Studierende in den ersten Fachsemstern obligatorisch.

Leistungsnachweis: regelmäßige und aktive Teilnahme, Kurzreferat, bibliografische Übung, Transliteration.