Aktuelle Lehrveranstaltungen Wintersemester 2019/2020

Prof. Dr. Jurij Murašov

Sowjetischer und postsowjetischer Film Zentralasiens

Dienstag: 10 – 11.30 Uhr                                                             H 303

BA Slavistik, MA Schule-Slavistik, LA Russisch, BA of Ed. Russisch, MA OGM, BA/MA LKM, MA KGE

Mit Blick auf die früheren Sowjetrepubliken, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan untersucht das Seminar den zentralasiatischen Film in seiner komplexen, sich immer wieder umschichtenden Wechselbeziehung zwischen der sowjetisch-russischen Kinematographie und den regionalen (Film-)Kulturen. Uns werden drei Etappen dieser Wechselbeziehung beschäftigen: Die 1960er Jahre, in denen sich das zentralasiatische Kino mit erstarktem Selbstbewusstsein regionalen Themen zuwendet (Abdusalom Rachimov, Ali Chamraev) und eigene Formen des „poetischen Films“ (Bulat Mansurov, Šaken Ajmanov) entwickelt; die „Neuen Welle“ der ausgehenden 1980er Jahre, in denen zentralasiatische Regisseure wie Rašid Nugmanov, Serik Aprymov, Džanik Fajziev oder Darejan Omirbaev mit ihren ironischen und kritischen Produktionen sowohl in der russisch-sowjetischen Filmszene als auch international Aufsehen erregen; die postsowjetischen 1990er und 2000er Jahre der Fragmentarisierung und Diversifizierung des zentralasiatischen Films unter neuen nationalstaatlichen und ökonomischen Bedingungen und gewandelten massenmedialen und ideologischen Anforderungen.

Geld und Gemeinschaften in der europäischen Prosa des 19. Jahrhunderts

Dienstag: 17 – 18.30 Uhr                                                             H 303

BA Slavistik, MA Schule-Slavistik, LA Russisch, BA of Ed. Russisch, MA OGM, BA/MA LKM, MA KGE

Zu den unbequemen Erfahrungen der Europäischen Integration durch die EU gehört die Einsicht in das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Formen nationaler, religiöser oder politischer Gemeinschaftsstiftung einerseits und ökonomischen Denkweisen und Praktiken andererseits. Diesem Zusammenhang von Ökonomie und Kultur geht das Seminar am Beispiel der europäischen Erzählprosa des 19. Jahrhunderts nach. Ausgehend von einer mit Aristoteles, Adam Smith und Karl Marx etablierten Primärszene der politischen Ökonomie werden wir zunächst untersuchen, wie in der englischen Literatur bei Charles Dickens ökonomische Sujets von Pathologien des Sozialen begleitet werden. Die Verbindung von Finanzspekulation und bürgerliche Souveränität wird uns anhand französischer Texte von Honoré de Balzac und Émil Zola interessieren. Gustav Freytags Roman Soll und Haben (1855) wird uns zeigen, wie es um die Redlichkeit von Kaufleuten deutscher Nation bestellt ist. Auf welche Weise die russische Literatur das Ökonomische als Zersetzung und Entwertung einer nationalen Sprachkultur erlebt, werden wir in den Texten von Vladimir Odoevskij, Fedor M. Dostoevskij und Lev Tostoj beobachten.

Theater der russischen Moderne

Mittwoch 10 – 11.30 Uhr                                                            G 420

BA Slavistik, LA Russisch, BA of Ed. Russisch, MA OGM

Das Seminar analysiert prominente russische Dramen zwischen 1905 und 1938. Im Fokus unserer Beschäftigung steht die Frage, wie dramenpoetologische Innovationen der Moderne in Hinblick auf Handlung, Figuren und Sprache dabei für ganz unterschiedliche ästhetische und ideologische Formationen in Anspruch genommen werden - für den Symbolismus, Futurismus, Proletkult, Sozialistischen Realismus und für die absurde Dichtung der OBERIU. Auf dem Programm stehen u. a.: Vjačeslav Ivanov, Tantalos (Tantal, 1905), Aleksandr Blok, Die Schaubude (Balagan, 1906), Velimir Chlebnikov, Aleksej Kručenych, Kazimir Malevič, Michail Matjušin, Sieg über die Sonne (Pobeda nad solncem, 1913), Vladimir Majakovskij, Mysterium buffo (Misterija buff 1918/21), Sergej Tretjakov, Brülle China (Ryči, Kitaj! 1926), Daniil Charms, Elizaveta Bam (1928), Vsevolod Višnevskij, Optimistische Tragödie (Optimističeskaja tragedija, 1932), Aleksandr Vvedenskij, Weihnachten bei den Ivanovs (Elka u Ivanovych, 1938). Seitenblicke auf maßgebliche Theaterkonzepte der europäischen Moderne (Alfred Jarry, Luigi Pirandello, Bertold Brecht, Antonin Artaud) ergänzen das Programm. Alle Dramentexte sind auch in deutscher Übersetzung zugänglich.

Slavistisches Forschungskolloquium

Dienstag: 15.15 – 16.45 Uhr                                                        D 433

MA Schule - Slavistik, MA OGM, LA Russisch

Das Kolloquium versteht sich als Forum für die Präsentationen der Arbeiten und Projekte von Examenskandidaten und Promovierenden sowie für die Diskussion neuerer slavistischer, literatur- und kulturwissenschaftlicher Forschungsansätze.

Konzepte Osteuropas

 Blocksitzung und Selbststudium

1. Sitzung, Mittwoch, 23.10.2018, 11.45 – 13.15 Uhr                    H 303

MA OGM

Diese Veranstaltung ist ein interdisziplinärer Kurs, der zusammen mit der Osteuropäischen Geschichte veranstaltet wird. Die Studierenden befassen sich mit grundlegenden Texten und Konzepten zu Osteuropa, die sie abschließend in einem Plenum vergleichend diskutieren werden.

Fabian Erlenmaier

Einführung in die slavischen Kulturen

Mittwoch, 8.15 – 9.45                                                                 H 306

BA Slavistik, MA OGM

In der Veranstaltung werden ebenso Grundbegriffe der Kulturwissenschaft (Diskurse, Aufschreibesysteme, Dispositive) wie solche der Konstruktion von Kulturräumen vermittelt (mental mapping: Osteuropa, Balkan, Orientalismus). Besondere Aufmerksamkeit gilt spezifischen Diskursen und Dispositiven in Osteuropa, wie z.B. der Ikone und ihrer Tradition in der Avantgarde sowie unterschiedlichen rhetorisch und religiös geprägten Kulturkreisen (Slavia latina, slavia orthodoxa, slavia islamica). Bestimmte Formen des politischen Lebens in Osteuropa, wie Messianismus (Moskau als „drittes Rom“, Polen als auserwähltes Volk) und Herrscherkult (Lenin-, Stalin-, Tito-Kult), werden mit Blick auf die jeweiligen Kulturtraditionen analysiert. Erklärt werden verschiedene kulturelle Programme einer Vereinigung von Slaven (Slavophilentum, Panslavismus, Austroslavismus, Neoslavismus), welche die Entstehung von multinationalen Staaten, wie des russischen Reiches, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Jugoslawien, zur Folge hatten. Ebenso werden einige wichtige nationale und transnationale Mythen und Erinnerungskulturen vorgestellt. In der Veranstaltung beleibt eine vergleichende Perspektive auf Ost und West stets im Blick.

Aleksandr Mishnev

„Russkij mir“: Ideologie und Literatur

Montag,  8.15-9.45                                                                     H 305

BA Slavistik, MA OGM, MA Schule Slavistik, LA Russisch, BA of Ed.  Russisch, BA LKM, MA LKM, Schlüsselqualifikation

Der Kurs geht der Frage nach, wie sich das Konzept der russischen Welt Russkij mir im Laufe der Jahre seit der Gründung der russländischen Föderation 1991 bis heute entwickelt hat und was es heute darstellt. Bezüge zu anderen Ideologien des russischen Sonderweges wie „Moskau – das dritte Rom“, „Theorie des offiziellen Volkstums“, „Slawophile“, „Eurasismus“ und seine neueste Entwicklung werden aufgezeigt und anhand von verschiedenen historischen und literarischen Quellen wie den Briefen des Philotheus, dem Bericht von Uvarov sowie Texten von Berdajev, Dugin, Nikonov, Gradirovskij, Gefter und anderen analysiert. Im Kurs wird ein Überblick über wissenschaftliche Techniken wie Recherche, Zitieren und Literaturverwaltung gegeben.
Der Kurs richtet sich an alle Studierenden, die sich für die russische Kultur interessieren und mehr über Russland und seine jetzige Entwicklung verstehen wollen.

Maria Zhukova/Innokentij Urupin

Sozialistisches Wohnungsglück: Dmitrij Šostakovičs „Moskau. Čerёmuški“ als Operette und Film

Do 11.45 - 13.15 Uhr                                                                                                                        H 303

BA Slavistik, MA-Slavistik, LA Russisch, BA of Edu Ru, MA of Edu Ru, MA OGM, BA/MA LKM, MA KGE 

Die Uraufführung der einzigen Operette von Dmitrij Šostakovič „Moskau, Čerёmuški“ findet 1959 statt. Die Handlung entwickelt sich rund um die für Nikita Chruščevs „Tauwetterzeit“ hochaktuelle Wohnungsnot, die mit viel Witz und Humor verbal, aber vor allem musikalisch verarbeitet wird. Nach wenigen Jahren wird unter dem Titel „Čerёmuški“ (G. Rappaport, 1962) eine filmische Version der Operette gedreht. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Medienspezifik analysieren wir das Verhältnis von Musik einerseits und Film, Literatur und Theater andererseits. Mediologisch und kulturhistorisch werden weitere filmmusikalische Arbeiten Šostakovičs in den Blick genommen („Odna“, „Chovanščina“, „Ekaterina Izmajlova“), um damit den Stellenwert von „Čerёmuški“ sowohl in Šostakovičs musikalischem Oeuvre als auch in der Geschichte des sowjetischen Films deutlich zu machen.Mit Unterstützung des Projekts Transfer Lehre findet das Seminar in Kooperation mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz statt, die eine Produktion von „Moskva. Čerёmuški“ mit einer Premiere in Radolfzell vorbereitet. Einblicke in die Probenarbeit zu „Moskva. Čerёmuški“ stehen ebenso auf dem Seminarplan wie musikwissenschaftliche und -historische Vorträge auswärtiger ReferentInnen.Die Filme werden in Kopien mit englischen Untertiteln zur Verfügung gestellt.

Davor Beganović

Zentrum und Peripherie in südslawischen Literaturen

Montag: 15.15 – 16.45 Uhr                                                          E 405

BA Slavistik, MA OGM

Ausgehend von dem Begriff der „Semiosphäre“, den Jurij Lotman geprägt hat, um den ganzen semiotischen Raum einer Kultur zu beschreiben, werden wir uns im Kurs diesem Phänomen im südslavischen Kulturraum widmen. Dabei wird die komplexe Beziehung zwischen Zentrum und Peripherie im Mittelpunkt stehen. Auf der einen Seite ist der südslavische Raum eindeutige geographische Peripherie Europas. Andererseits gibt es in diesem Raum selbst eine scharfe Trennung zwischen Zentrum und Peripherie, die in einer radikalen Auseinandersetzung zwischen Urbanem und Ruralem, zwischen Stadt und Land zum Vorschein kommt. Um diese komplexe kulturelle Differenzierung genauer ins Visier zu nehmen, werden wir literarische Texte lesen, die sowohl die eine als auch die andere Konstellation thematisieren.

Radomir Konstantinovićs Philosophie der Provinz (1969) wird im Zusammenhang mit Ivan Slamnigs Kühlschrank betrachtet, Miloš Crnjanskis Lamento über Belgrad mit Nacht in der Provinz von Miroslav Krleža. Gleichzeitig aber werden wir Texte berücksichtigen, die nach dem Zerfall Jugoslawiens entstanden sind und die Problematik des Exils als Beziehung zwischen europäischen (oder amerikanischen) Kulturzentren und (post)jugoslawischer Peripherie thematisieren.

Maria Cnaub

Tutorium Einführung in die Literaturwissenschaft

Mittwoch 15.15. - 16.45 Uhr                                                        G 203

Das Tutorium der Slavistik begleitet die Einführung in die allgemeine Literaturwissenschaft und versteht sich in erster Linie als Lerngruppe zur Vorlesung. Gemeinsam mit dem Tutor werden die Studierenden die Inhalte der Vorlesung aufarbeiten, um über den Gegenstand der Literaturwissenschaft reflektieren zu können und fundierte Kenntnisse in literaturwissenschaftlichen Arbeitstechniken zu entwickeln.
Ferner beleuchtet das Tutorium Besonderheiten der russischen Philologie und bietet Einblicke in spannende kulturelle Entwicklungen: von der Avantgarde über den literarischen Untergrund bis hin zum „neuen Drama“.

Bemerkung:

Der Besuch des Tutoriums ist für Studierende in den ersten Fachsemstern obligatorisch.

Leistungsnachweis: regelmäßige und aktive Teilnahme, Kurzreferat, bibliografische Übung, Transliteration.