Aktuelle Lehrveranstaltungen WiSe 2017/18

Veranstaltungen Slavistik im Wintersemester  2017/18

Prof. Dr. Jurij Murašov

Russische Revolution und Theater. Stücke, Konzepte, Inszenierungen  

Die 10.00 – 11.30 Uhr H 303

MA Osteuropa: Geschichte-Medien, BA Slavistik, MA Slavistik, BA LKM, MA LKM, LA Russisch, BA of Education Ru, Masterschule Literaturwissenschaft/Slavistik, MA KGE

Keine andere Kunstform reagierte so intensiv auf die Oktoberrevolution von 1917 wie das russische Theater. Inspiriert von symbolistischer Mythopoetik und futuristischen Bühnenexperimenten und nun angetrieben von den psycho-, bio- und ergomechanischen Visionen vom Neuen Menschen werden theatralische Spiel- und Darstellungsformen entwickelt, um damit künstlerisch und ideologisch auf die revolutionäre Wirklichkeit und Geschichte selbst einzuwirken. Im Laufe der 20er Jahre erweist sich das Theater aber auch zunehmend als brisantes Terrain, auf dem die utopischen Hoffnungen zwar artikuliert, aber auch die vielfältigen Idiosynkrasien des politischen Umsturzes und der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Neuordnung sichtbar werden. Dies veranlasst die sowjetische Kulturadministration in den beginnenden 30er Jahren, mit der Doktrin des sozialistischen Realismus das Theater wieder in die Schranken der Gattungstradition zurückzuweisen.

Die turbulente Entwicklung des russischen Theaters mit und nach der Revolution von 1917 werden wir anhand verschiedener Theatertheorien und -konzepte (Keržencev, Mejerhol’d, Evreinov, Tairov) und vor allem anhand von Theaterstücken und spektakulären Inszenierungen verfolgen; u. a. werden wir uns mit den Massenschauspielen von Vladimir Majakovskij, (Mysterium buffo 1921) und Nikolaj Evrejnov (Sturm auf den Winterpalast, 1920) beschäftigen, somit mit Sergej Tretjakovs Proletkultstück Gasmasken (1924), mit Vsevolod Ivanovs Bürgerkriegsdrama Panzerzug 14-69 (1922/27), dem Gerichtstheater, dem sog. Agitsud, auf dem sich Gott zu verantworten hat, aber auch mit Aleksandr Vvedenskijs absurden Theater und Majakovskijs späten dramatischen Satiren.

Russische Sprachkenntnisse sind erwünscht, aber nicht unbedingt erforderlich, da alle Texte in deutscher Übersetzung vorliegen.

Slavistisches Forschungskolloquium

Die 15.15 – 16.45 Uhr D 433

MA Osteuropa: Geschichte-Medien, MA Slavistik, MA LKM                                         

Das Kolloquium versteht sich als Forum für die Präsentationen der Arbeiten und Projekte von Examenskandidaten und Promovierenden sowie für die Diskussion neuerer slavistischer, literatur- und kulturwissenschaftlicher Forschungsansätze.

Dr. Renata v. Maydell

Einführung in die slavischen Kulturen 

Mi 8.15 – 9.45 Uhr H 303

BA Slavistik, MA Osteuropa: Geschichte-Medien, MA Osteuropastudien,  LA Russisch, BA of Education

In der Veranstaltung werden ebenso Grundbegriffe der Kulturwissenschaft (Diskurse, Aufschreibesysteme, Dispositive) wie solche der Konstruktion von Kulturräumen vermittelt (mental mapping: Osteuropa, Balkan, Orientalismus). Besondere Aufmerksamkeit gilt spezifischen Diskursen und Dispositiven in Osteuropa, wie z.B. der Ikone und ihrer Tradition in der Avantgarde sowie unterschiedlichen rhetorisch und religiös geprägten Kulturkreisen (Slavia latina, slavia orthodoxa, slavia islamica). Bestimmte Formen des politischen Lebens in Osteuropa, wie Messianismus (Moskau als „drittes Rom“, Polen als auserwähltes Volk) und Herrscherkult (Lenin-, Stalin-, Tito-Kult), werden mit Blick auf die jeweiligen Kulturtraditionen analysiert. Erklärt werden verschiedene kulturelle Programme einer Vereinigung von Slaven (Slavophilentum, Panslavismus, Austroslavismus, Neoslavismus), welche die Entstehung von multinationalen Staaten, wie des russischen Reiches, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Jugoslawien, zur Folge hatten. Ebenso werden einige wichtige nationale und transnationale Mythen und Erinnerungskulturen vorgestellt. In der Veranstaltung bleibt eine vergleichende Perspektive auf Ost und West stets im Blick.

Frühsowjetische Satire: Zoščenko - Il'f und Petrov - Bulgakov 

Di 17 – 18.30 Uhr H 303

BA Slavistik, MA Slavistik, MA Osteuropastudie, MA Osteuropa: Geschichte – Medien, LA Russisch, BA of  Education           

In der Veranstaltung soll erörtert werden, wie sich Satire definieren lässt, welche Funktionen sie übernimmt und welche (intertextuellen) Traditionen sie bildet. Diese Aspekte werden anhand literarischer Beispiele der vier Autoren überprüft. Es sollen die Realien aus der nachrevolutionären Politik und dem Alltagsleben, aber auch Sujets und Motive der europäischen und russischen Kultur aufgearbeitet werden, auf die sich die Autoren beziehen.

Russischkenntnisse sind erwünscht, aber keine Voraussetzung, da die Texte auch in deutscher Übersetzung vorliegen.

Dr. des. Oksana Monteiro

Kasachische Literatur und europäische Kolonialpolitik um 1900

Fr 10 - 11.30 Uhr H 307

BA Slavistik,  MA Slavistik, MA Osteuropa: Geschichte – Medien,  Konstanzer Masterschule – Slavistik,   BA/MA LKM, MA KGE, BA of Education,  LA Russisch 

Das Seminar folgt den literarischen Spuren der kasachischen Dichtung, die um 1900 in einer Grenzregion zwischen dem Russischen Imperium und der kasachischen Steppe entsteht. Über den prominenten kasachischen Dichter und Philosoph Abaj Knanabjev (1845-1904) soll der Blick auf die literarische und kulturelle Entwicklung dieser geschichtsträchtigen Region ermöglicht werden.

Im Fokus der Beschäftigung steht zunächst die geografische und ethnografische Erfassung der westsibirischen / ostkasachischen Region, die an Schriften von europäischen, russischen und amerikanischen Reisenden (P. Semenov Tjan-Schanskij, I. Lamanskij, G. Kennan, A. von Humboldt, W. Bartold) im Seminar analysiert werden soll.

Desweiteren befassen wir uns mit den Traditionen der kasachischen Steppendichtung, den islamischen Einflüssen sowie mit den Einflüssen russischer und europäischer Literatur auf das Werk Abaj Kunanbajevs. Anschließend wollen wir die Dichtung Abajs im Hinblick auf die Beziehung zwischen kolonialer Politik Russlands und nationalen Literaturen an den Rändern des Imperiums befragen.

Kenntnisse der kasachischen Sprache sind erwünscht, aber keine Voraussetzung, da alle Texte auch in deutscher oder englischer Übersetzung vorliegen.

Dr. Davor Beganović

Iva Andrić' "Wesire und Konsuln"

Mo 15.15 - 16.45 Uhr E 405

Lektürekurs BA Slavistik, MA Slavistik

„Wesire und Konsuln“ ist ein Roman von Ivo Andrić, in dem er sein tiefgreifendes Interesse an der bosnischen Geschichte erweitert. Sein Verfahren in diesem Prozess besteht in der kreativen Verwendung historischer Dokumente, die er in den Archiven der westlichen Vertretungen ausgesucht hat. Das ist aber nur die Folie, auf der sich die wesentlich kompliziertere Geschichte abwickelt. Das Thema der Beziehung zwischen Dokument und seiner Materialisierung in konkreten Ereignissen wird durch nahezu anthropologische Verfahren erweitert und ergänzt. Somit entstehen die für Andrić charakteristischen Untersuchungen, die sich mit der Relation zwischen Eigenem und Fremden, zwischen Stadt und Natur und letztendlich zwischen diversen Formen der Machtausübung beschäftigen. Im Verlauf des Kurses werden wir die unterschiedlichen Facetten des Textes beobachten, um eine Übersicht seiner Vielschichtigkeit zu gewinnen.

Fabian Erlenmaier

Tutorium   

Mo 17.00 – 18.30 Uhr 

Das Tutorium der Slavistik begleitet die Einführung in die allgemeine Literaturwissenschaft und versteht sich in erster Linie als Lerngruppe zur Vorlesung. Gemeinsam mit dem Tutor werden die Studierenden die Inhalte der Vorlesung aufarbeiten, um über den Gegenstand der Literaturwissenschaft reflektieren zu können und fundierte Kenntnisse in literaturwissenschaftlichen Arbeitstechniken zu entwickeln.
Ferner beleuchtet das Tutorium Besonderheiten der russischen Philologie und bietet Einblicke in spannende kulturelle Entwicklungen: von der Avantgarde über den literarischen Untergrund bis hin zum „neuen Drama“.

Bemerkung:

Der Besuch des Tutoriums ist für Studierende in den ersten Fachsemstern obligatorisch.

Leistungsnachweis: regelmäßige und aktive Teilnahme, Kurzreferat, bibliografische Übung, Transliteration.