Aktuelle Monographien und Sammelbände

Juliane Vogel

Aus dem Grund

Auftrittsprotokolle zwischen Racine und Nietzsche

Einen Auftritt haben, bedeutet aus einem Grund in die Sichtbarkeit einer Bühne hervortreten. Seit den Anfängen des Dramas lässt es sich als Realisierung eines Figur und Grund-Verhältnisses beschreiben.
Anhand der Texte Goethes, Schillers und Kleists soll gezeigt werden, wie der Grund zur treibenden Kraft dramatischer Figuration wird. Das Buch sichtet die energetischen Felder, in denen sich Auftritte ereignen. Es fragt danach, wie dramatische Texte den Auftritt ihrer Figuren inszenieren, welche Regeln sie dabei anleiten und welche Gegenkräfte sie mobilisieren. Zugleich fragt es nach der Genese einer Dramatik, die sich nicht mehr für Handlungen, sondern für die Krisen des Erscheinens interessiert.

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Bernd Stiegler

Der montierte Mensch

Ein technisches Zeitalter ist angebrochen, konstatiert man einhellig zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und so träumt man von einem neuen, einem technischen Menschen, der zuallererst neu zu erschaffen, zu konstruieren sei. Die Montage ist in den 1920er und 1930er Jahren dasjenige Verfahren, das von den Fabriken über die Kinos bis hin zu den Zeitschriften und dem Alltagsleben genau dieser Aufgabe dient. Es findet sich in allen Feldern der Technik und Ästhetik, versteht sich als visuelle Alphabetisierung, Psycho- und Medientechnik und zugleich auch als Vermittler zwischen den politischen Extremen. Taylorismus und Fordismus, aber auch Reflexologie, Arbeitswissenschaft und Psychotechnik sind die Strategien einer Neukonstruktion des Menschen und der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten, in Europa, aber auch im revolutionären Sowjetrussland. Zwischen Utopie und Dystopie pendelnd wird das Leben in einer technischen Welt entworfen. Der montierte Mensch, dessen Geschichte hier nachgezeichnet wird, hat jene des 20. Jahrhunderts in entscheidender Weise geprägt.

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Marie Gunreben

Das Alter und die Weisheit

Literarische Entwürfe vom Realismus bis zur Gegenwart

Seit der Antike gilt Weisheit als spezifische Kompetenz des Alters. Sie wird als besonderes Wissen konzipiert, das an Personen, Erfahrungen und Erzählungen gekoppelt ist und damit abstrakten, dokumentier- und digitalisierbaren Wissensformaten entgegensteht. In der Moderne verliert das Erfahrungswissen des Alters einerseits an lebenspraktischer Relevanz; andererseits steigt mit der Komplexität von Wissensbeständen und Lebensbereichen auch der Bedarf an richtungsweisendem Ratschlag. Die Studie geht dieser Spannung zwischen Weisheitsskepsis und Weisheitssehnsucht in der Literatur der Moderne nach: Indem sie auf das vermeintlich atavistische Modell der Weisheit rekurrieren, können sich literarische Texte zum einen zu den Altersdiskursen ihrer Zeit positionieren, dominante Zuschreibungen und Bilder aufbrechen und dynamisieren. Zum anderen eignet sich das rätselhafte, individuelle und narrative Wissen der Weisheit auch zur literarischen Selbstreflexion: Wenn literarische Texte von Weisheit erzählen, dann erzählen sie auch von sich selbst.


Bernd Stiegler

Theorien der Literatur- und Kulturwissenschaften

Bernd Stiegler stellt die wichtigsten Theorien für die Literatur- und Kulturwissenschaften von Friedrich Schleiermacher bis W.J.T. Mitchell vor. In knappen Porträts bietet er eine Einführung in Hermeneutik, Psychoanalyse, Dekonstruktion, Gender Studies und weitere Theorien, die für die Geisteswissenschaften von Bedeutung sind. Zu jeder Theorie wird auf einschlägige Texte verwiesen.

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Gerhart v. Graevenitz

Theodor Fontane: Ängstliche Moderne

Die bewundernswert genaue Simulation des Alltags, der Konflikte und Seelennöte der Ober- und Mittelschichten macht Fontane bis heute zu den großen Vorbildern realistischen Erzählens. Und doch ist sein Stil weit entfernt von der »emphatischen«, manchmal forcierten Moderne des 20. Jahrhunderts, die ganz neue Instrumente der Darstellung erfunden hat. Fontanes Welt der bourgeoisen Heiratspolitik, der Gardeoffiziere, der Duelle und der Insassen märkischer Gutshäuser ist tiefes 19. Jahrhundert. So fern diese Zeit aber zu sein scheint, hier sind die Grundlagen unserer Wirklichkeit gelegt worden. Der vehemente technologische, ökonomische und gesellschaftliche Wandel, Fortschrittsglaube und Fortschrittsängste und der Aufbruch in die Globalisierung setzen im 19. Jahrhundert ein. Ausgehend vom Werk Theodor Fontanes eröffnet Gerhart von Graevenitz in seinem großen Buch eine neue Perspektive auf diese Moderne.

ISBN 978-3-86253-050-2