Frauen-, Männer- und Geschlechterforschung
Allgemeines zum Studiengang
Die Geschlechterdifferenz stellt eine der grundlegenden gesellschaftlichen Organisationsformen dar, die Individuen in hierarchischen Ordnungen positioniert. In den letzten Jahrzehnten hat diese Erkenntnis auch Lehre und Forschung stark beeinflusst. Ausgangspunkt der Konstituierung einer wissenschaftlichen Disziplin Gender Studies war dabei zunächst vor allem die Erkenntnis, dass geschlechterrelevante Themen und Fragestellungen aus den Curricula der einzelnen Fächer weitgehend ausgeschlossen waren. Aus dieser "Negativdefinition" der Gender Studies als Behebung eines Mangels hat sich mittlerweile ein ausdifferenziertes wissenschaftliches Feld entwickelt, das diejenigen Fächer, denen gegenüber die Gender Studies kritisch angetreten sind (unter anderem Geschichte, Literaturwissenschaft, Soziologie und Sprachwissenschaft) um wichtige theoretische und methodische Ansätze und Perspektiven erweitert hat.
Der BA-Nebenfachstudiengang Gender Studies beschäftigt sich mit der konkreten und symbolischen Geschlechterordnung in Vergangenheit und Gegenwart sowie mit den Wechselbeziehungen zwischen diesen Ordnungen. Er ist in einem kulturanthropologischen Kontext verortet, das heißt, er begreift die Kategorie Geschlecht als gesellschaftlich, historisch und kulturell spezifisch konstruiert. Diese Konstruiertheit der Kategorie bedeutet gleichwohl nicht, dass sie ohne lebensweltliche Effekte bliebe. Die Kategorie Geschlecht bildet im komplexen Zusammenspiel mit anderen Kategorien, wie zum Beispiel soziale Klasse und Ethnizität, einen der zentralen Faktoren gesellschaftlicher Stratifikation. Wegen ihrer fächerübergreifenden Relevanz ist die Geschlechterforschung dabei nicht als eine Disziplin im klassischen Sinn zu verstehen, sondern ausgehend von ihrem Entstehungszusammenhang vermittelt sie eine spezifische, oft kritische Blickweise auf traditionelle Wissenschaften. Das BA-Nebenfach Gender Studies beschränkt sich also nicht auf den Erwerb von Kenntnissen aus einem Fachgebiet, sondern es verlangt ein transdisziplinäres Studium.
Die Fachbereiche, die sich an diesem Studiengang beteiligen, sind Literaturwissenschaft (einschließlich Kunst- und Medienwissenschaft), Geschichte und Soziologie und Sprachwissenschaft.
Im Mittelpunkt des BA-Nebenfachs Gender Studies steht die Vermittlung theoretischer und methodischer Konzepte zur Analyse von Geschlechterkonstruktionen in individueller, struktureller und symbolischer Hinsicht. Der Studiengang führt die Studierenden einerseits unter der Perspektive der Geschlechterforschung in verschiedene Einzeldisziplinen ein. Andererseits schafft er die Möglichkeit, die Perspektiven einer Disziplin um die Fragestellungen der Geschlechterforschung zu erweitern.
Durch das BA-Nebenfach Gender Studies werden Kompetenzen in Bezug auf geschlechter-spezifische Denkmuster, Artikulationsformen und Handlungsweisen gefördert. Damit verbindet sich eine Sensibilisierung für die konstitutive Funktion von Geschlechterkonstruktionen in sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Systemen. Den Studierenden des Faches Gender Studies wird so die Möglichkeit eröffnet, in verschiedenen beruflichen Feldern mit einer breiten
analytischen Kompetenz kulturelle und gesellschaftspolitische Phänomene aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihrer geschlechtsspezifischen Implikationen hin zu bewerten. Absolventinnen und Absolventen des BA-Nebenfachs Gender Studien sind somit in besonderer Weise qualifiziert, an öffentlich relevanten und gesellschaftspolitisch sensiblen Stellen des kulturellen (z. B. Medien, politische und kulturelle Institutionen) und inzwischen auch des wirtschaftlichen Feldes -sofern hier Kernkompetenzen vorliegen- zu agieren .


